Fest des Weins in Zielona Góra

Das größte Weinfest Polens, die Winobranie, findet vom 5. bis 13. September 2015 in Zielona Góra (Grünberg) statt. Zu dem Volksfest im Westen Polens werden Zehntausende Besucher erwartet.

Erstmals werden in diesem Jahr Weine aus der Region als offizielle Festweine ausgeschenkt. Die vier Weiß- und Rotweine stammen aus den Weingütern Saint Vincent und Winnica na Leśnej Polane und wurden von einer Jury ausgewählt.

Die Geschichte des Weinbaus rund um Zielona Góra reicht zurück bis ins 13. Jahrhundert. Seit einigen Jahren erlebt er eine Renaissance. So haben die Besitzer der Winnica na Leśnej Polane bereits um die Jahrtausendwende ihre ersten Reben gepflanzt und betreiben jetzt auf einem Hektar Fläche Weinbau. Das Weingut Saint Vincent besteht seit 2009 und gehört zu den größten in der Region. Dort wird inzwischen auf 6,5 Hektar Wein angebaut. Insgesamt gibt es rund um Zielona Góra mehr als 30 kleinere und größere Weinbaubetriebe. Einige von ihnen werden ihre Produkte auch auf der Winobranie präsentieren. Zudem finden während des Festest Exkursionen zu einigen Weingütern statt und einige Restaurants in der Stadt präsentieren ausgewählte Menüs mit regionalen Weinen.

Doch bei der Winobranie geht es nicht nur um Wein. Die Altstadt von Zielona Góra verwandelt sich in einen großen Jahrmarkt, auf mehreren Bühnen gibt es Musik-, Tanz- und Theateraufführungen. Verschiedene Sportveranstaltungen und Ausstellungen finden zeitgleich statt. Traditionell wird am letzten Tag des Festes ein bunter Umzug veranstaltet, der vom Weingott Bacchus angeführt wird. www.winobranie.zgora.pl

Moderne Kunst im Breslauer Weltkulturerbe

Moderne Kunst im Breslauer Weltkulturerbe

Der von Prof. Hans Poelzig entworfene Vier-Kuppel-Pavillon in der niederschlesischen Hauptstadt Wrocław (Breslau) soll ab 2016 als neues Museum für zeitgenössische Kunst dienen. Das Bauwerk gehört seit 2006 gemeinsam mit der benachbarten Hala Stulecia (Jahrhunderthalle) zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Das Breslauer Messegelände mit Jahrhunderthalle, Vier-Kuppel-Pavillon, Pergola und Japanischem Garten war in den Jahren 1911 bis 1913 entstanden. Zur Eröffnung fand dort 1913 die „Jahrhundertausstellung“ zum Gedenken an den Sieg gegen Napoleon in den Befreiungskriegen statt. Während für die revolutionäre Architektur der Jahrhunderthalle der damalige Breslauer Chefarchitekt Max Berg verantwortlich zeichnete, trägt der Vier-Kuppel-Pavillon ebenso wie die angrenzende Pergola die Handschrift von Hans Poelzig. Er war damals Direktor der Breslauer Kunstgewerbeschule und gilt als einer der Wegbereiter des modernen Bauens im frühen 20. Jahrhundert. Zu seinen bekanntesten Arbeiten gehört das Berliner Haus des Rundfunks.

Das vierflügelige Gebäude des Ausstellungspavillons umschließt einen inneren Hof, die vier markanten Kuppeltürme befinden sich in der Mitte eines jeden Flügels. Nach dem Zweiten Weltkrieg diente das Gebäude dem Filmunternehmen Wytwórnia Filmów Fabularnych als Atelier. 2009 gingen die Nutzungsrechte an das Nationalmuseum von Wrocław über. In den vergangenen zwei Jahren wurde das gesamte Gebäude saniert und für seine künftigen Aufgaben als Museum hergerichtet.

Im Rahmen der Instandsetzungsarbeiten wurde die Fassade erneuert und gestrichen. Bei einer Analyse waren zuvor Reste der Originalfarbe gefunden worden. Die repräsentative Nordkuppel wurde verstärkt und erhielt ihr ursprüngliches Schmuckwerk zurück. Später hinzugefügte Baukörper wurden entfernt, der Innenhof erhielt ein transparentes Dach, um die Ausstellungsfläche zu vergrößern. Unter dem Hof wurde ein zusätzliches Geschoss für technische Anlagen eingefügt. Darüber hinaus ist der Pavillon nun auch barrierefrei zugänglich. Insgesamt konnten über 6.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche hinzugewonnen werden. Die Arbeiten, die rund 20 Millionen Euro kosteten, wurden kürzlich abgeschlossen.

Der Vier-Kuppel-Pavillon soll künftig eine Ausstellung mit polnischer Gegenwartskunst des Nationalmuseums beherbergen. Besucher werden dort ab 2016 unter anderem Skulpturen von Magdalena Abakanowicz, Werke des Bühnenbildners und Regisseurs Tadeusz Kantor oder Bilder von Jerzy Nowosielski bewundern können. Eine Freilichtgalerie mit polnischen Skulpturen des 20. und 21. Jahrhunderts auf dem angrenzenden Parkgelände soll das Museumsangebot ergänzen. Die Fertigstellung des neuen Kunst-Pavillons ist ein weiterer Meilenstein auf dem Weg von Wrocław zur Kulturhauptstadt Europas. Im Jahr 2016 wird die Stadt diesen prestigeträchtigen Titel tragen.

Informationen über das Nationalmuseum in Wrocław unter www.mnwr.art.pl, zum Vier-Kuppel-Pavillon unter www.pawilonczterechkopul.pl, zur Jahrhunderthalle unter www.halastulecia.pl und zum Kulturhauptstadtjahr in Wrocław unter www.wroclaw2016.pl

Foto: Hala Stulecia

Polnischer Volkssport

Polnischer Volkssport

Im Herbst zieht es Scharen von Pilzsammlern in die Wälder

Ob frisch genossen, getrocknet oder süßsauer eingelegt, Pilze sind seit Jahrhunderten ein Hauptbestandteil der traditionellen polnischen Küche. Wenn im Spätsommer die Pilzsaison beginnt, strömen die Polen in Scharen zum Sammeln in die Wälder. Aber auch immer mehr Touristen nehmen an dieser gesellig-kulinarischen Kultur teil. So etwa beim „Święto Grzybów“ im niederschlesischen Ort Węgliniec (Kohlfurt), einem der größten Pilzevents in Europa, oder bei geführten Wanderungen während eines Aufenthaltes auf einem Ferienbauernhof.

Im Spätsommer und Herbst bevölkern private Sammler die Ränder der polnischen Landstraßen, um ihre Beeren und Pilze anzubieten. Wer sich nicht auskennt oder nicht viel Zeit zum Sammeln hat, ist dort zumeist gut und günstig bedient. Der Gang in den Wald verspricht hingegen ein ganz besonderes Naturerlebnis. „Grzybobranie“ heißt die Tradition des Pilzsammelns auf Polnisch. Sie ist tief in der polnischen Kultur verankert und hat neben dem kulinarischen vor allem auch einen geselligen Aspekt. Groß und Klein, Jung und Alt gehen gemeinsam auf die Pirsch, altes Wissen wird weitergegeben und der Fund besonders großer und schöner Exemplare mit viel Anerkennung belohnt.
Im ganzen Land rufen Naturfreundegesellschaften, Tourismusorganisationen und Gemeindeverwaltungen zu Wettbewerben im Pilzpflücken auf, veranstalten Pilzfeste oder gemeinsame Kochaktionen. Zu den bekanntesten und größten Veranstaltungen gehört das „Święto Grzybów“, das Pilzfestival an der deutsch-polnischen Grenze in Węgliniec (Kohlfurt). Die niederschlesische Kleinstadt sieht sich als Hauptstadt des „polnischen Pilzbeckens“. Rund 90 Prozent der Gemeinde sind mit Wald bedeckt, frische Luft und geringe Umweltverschmutzung bieten optimale Bedingungen für Pilzfreunde. Gepflückt wird in den örtlichen Wäldern häufig bis in den November hinein.

Verbunden ist das Festival mit den Europäischen Pilzsammelmeisterschaften, die in diesem Jahr bereits zum 19. Mal ausgetragen werden. Eine unabhängige Jury bewertet die Pilze nach Größe, Gewicht und Ästhetik. Sie rekrutiert sich aus Angehörigen der Polnischen Vereinigung der Pilzforscher mit Sitz in Kraków (Krakau). An dem Wettbewerb beteiligen sich neben Sammlern aus allen Teilen Polens auch Pilzfreunde aus dem Nachbarland Deutschland und anderen Ländern Europas. Wer sich nicht an die Naturschutzregeln hält, geschützte oder giftige Pilze pflückt, wird sofort disqualifiziert.
Zum Festival „Święto Grzybów“ gehören Konzerte polnischer und ausländischer Bands, ein Pilzkochwettbewerb, verschiedene Workshops rund um Naturthemen, Spiele für alle Altersgruppen sowie verschiedenen Vorführungen. Darüber hinaus gibt es einen Holzfällerwettbewerb, Kunst- und naturkundliche Ausstellungen, einen Markt mit regionalen Produkten sowie Kunstworkshops für Kinder. Das diesjährige Pilzfestival findet am Wochenende vom 12. bis 13. September statt.

Zahlreiche polnische Ferienbauernhöfe, Gärtnereien und ländliche Pensionen bieten nicht nur saisonale Pilzgerichte an, sondern organisieren für ihre Gäste auch pilzkundliche Waldgänge mit anschließender Verarbeitung der gesammelten Trophäen. Zu ihnen gehört der vielfach ausgezeichnete Hof „Trzy Świerki“ (Drei Fichten) bei Gołdap (Goldapp) im Nordosten von Masuren. Die Besitzerin Sława Tarasiewicz feiert in diesem Jahr 15-jähriges Hofjubiläum und geht im Herbst mit ihren Gästen auch schon einmal persönlich „in die Pilze“. „In der Rominter Heide sammeln wir vor allem Pfifferlinge, Steinpilze und Reizker“, erklärt die gelernte Pädagogin, die auch Botschafterin der polnischen Geschäftsfrauen ist.

Für Gruppen mit bis zu sieben Personen veranstaltet sie Pilzausflüge in die Umgebung. Oft werden die Pilze gleich danach verarbeitet, zu Steinpilzsuppe beispielsweise oder als Füllung für Pierogi. „Wer möchte, kann sie aber auch auf speziellen Gestellen trocknen lassen oder in Gläser einlegen“, erklärt Sława Tarasiewicz. In der kleinen hauseigenen Bibliothek können sich ihre Gäste zuvor in die Pilzkunde und Regionalgeschichte einlesen. Nachschlagewerke und Ratgeber gibt es dort auch in deutscher Sprache. Zudem spricht die findige Unternehmerin gutes Deutsch und ist passionierte Pilzsammlerin, kann also auch selbst Ratschläge geben. Ihre eigenen Sammelerfolge und vor allem die ihrer Gäste präsentiert sie stolz auf der Facebookseite von Trzy Świerki.
Naturnahe Kulinarik und Tourismus verbinden auch die Höfe auf der Touristenroute des „nach Kräutern duftenden Dorfes“ in Małopolska (Kleinpolen) im Süden des Landes. Gäste bekommen dort nicht nur einen Einblick in die Verwendung von Kräutern in der Küche. Viele der Höfe werben im Herbst auch mit speziellen Angeboten für Pilzsammler. Interessant ist das Anwesen „Villa Akiko“ in Harkłówa unweit des Pieniny-Gebirges. Die Japanerin Miwa Akiko verbindet dort die Küche und Tradition ihrer asiatischen Heimat mit der polnischen Umgebung. So kultiviert sie beispielsweise japanische Pilze und verarbeitet sie zu Speisen für ihre Gäste.

Zu den Gebieten mit den größten Pilzvorkommen in Polen gehört die Puszcza Białowieska, der Urwald von Białowieża an der belarussischen Grenze. Ein Teil des letzten europäischen Tieflandurwaldes steht als Nationalpark und UNESCO-Biosphärenreservat unter besonderen Schutz. In den umliegenden Gebieten ist das Pilzsammeln aber in Einklang mit dem Regeln der Forstverwaltung erlaubt. Kleinere Ferienbauernhöfe und ländliche Pensionen verfügen über ein entsprechendes Angebot. Die Touristeninformation in Hajnówka vermittelt auf Anfrage auch Guides für eine Pilz-Exkursion. Im Herbst kann man in den Restaurants der Region Pilzspezialitäten kosten, ohne die die traditionelle polnische Küche nicht denkbar wäre.
Polen verfügt über eine der liberalsten Gesetzgebungen in Sachen Walderzeugnisse. So ist das Pflücken von Beeren und Pilzen in öffentlichen Wäldern grundsätzlich erlaubt. Allerdings müssen sich auch Hobbysammler an bestimmte Regeln halten. So sind Naturschutzgebiete genauso tabu wie geschützte oder vom Aussterben bedrohte Pilzarten. Zudem soll man beim Pilzsammeln behutsam vorgehen, um nicht die umstehende Vegetation zu zerstören oder Tiere zu verletzen. Wer in privaten Wäldern sammeln möchte, braucht dazu die Genehmigung der Besitzer. Nicht zuletzt dieser Rechtslage hat es Polen zu verdanken, dass es sich zum europäischen Exportmeister für Pilze und Pilzerzeugnissen entwickelt hat. Neben den im Wand gesammelten Steinpilzen oder Pfifferlingen werden allerdings vor allem Zuchtchampignons das ganze Jahr über exportiert.

Informationen

Die Homepage des Pilzfestivals in Węgliniec ist unter www.swietogrzybow.pl zu erreichen. Węgliniec liegt etwa 30 km nordöstlich der Grenzstadt Görlitz. Informationen über den „Drei-Fichten-Hof“ in der Rominter Heide gibt es in deutscher Sprache unter www.trzyswierki.dt.pl, über den Hof der Japanerin Miwa Akiko bei Nowy Targ unter www.akiko.pl und zum Urwald von Białowieża unter www.bialowieza-forest.com Allgemeine Auskünfte über Reisen nach Polen erteilt das Polnische Fremdenverkehrsamt, www.polen.travel

Polen im Chopin-Fieber

Internationaler Klavierwettbewerb und hochkarätige Festivals

Die zweite Jahreshälfte 2015 steht in Polen ganz im Zeichen des großen polnischen Komponisten Fryderyk Chopin, der in diesem Jahr 205 Jahre alt geworden wäre. Im Oktober findet das Finale des 17. Internationalen Chopin-Klavierwettbewerbes in Warszawa (Warschau) statt. Seine 70. Ausgabe feiert vom 7. bis 15. August das Internationale Chopin-Festival im Kurort Duszniki-Zdrój (Bad Reinerz). Es gilt als ältestes Klavierfestival der Welt. Nahtlos ist der Übergang zum 11. Internationalen Musikfestival „Chopin und sein Europa“, das vom 15. bis 29. August in der polnischen Hauptstadt veranstaltet wird.

Der Zweite Weltkrieg war gerade erst vorbei, die Situation in den ehemaligen deutschen Ostgebieten unübersichtlich und niemand wusste, wie lange die Grenzen stabil bleiben sollten. Alles schien 1946 wichtiger zu sein, als ein Festival der Klaviermusik zu begründen. Dabei war der Gedanke des polnischen Adeligen Ignacy Potocki gar nicht so abwegig. Chopin war als Jugendlicher zum Kuraufenthalt im damals preußischen Bad Reinerz und gab dort sein erstes Konzert im Ausland. So knüpfte das Festival an einen polnischen Nationalhelden an und setzte damit ein kulturelles Zeichen in den neuen Westgebieten, das bis heute Bestand hat. Das sensationelle Eröffnungskonzert gab die damals 76-jährige Zofia Rabcewicz. Die Schülerin von Anton Rubinstein zählte in der Zwischenkriegszeit zu Polens wichtigsten Pianisten.

In ihre Fußstapfen treten heute so berühmte Künstler wie der ukrainisch-australische Pianist Alexander Gavrylyuk, Rubinstein-Preisträger von 2005. Gemeinsam mit den beiden Chopin-Preisträgern Dang Thai Son (1980) aus Vietnam und der Russin Yulianna Avdeeva (2010) bestreitet er den Abschlussabend am 15. August. Zuvor warten acht Tage Klaviermusik vom Feinsten auf die Besucher des niederschlesischen Kurortes. Den Auftakt macht das Kammerorchester „Amadeus“ unter Leitung von Agnieszka Duczmal, mit Kevin Kenner und Philippe Giusiano am Klavier, beide Zweitplatzierte des Internationalen Chopin-Wettbewerbes. Mit dem Österreicher Ingolf Wunder und dem Litauer Lukas Geniušas spielen zudem die beiden Zweitplatzierten des letzten Wettbewerbes von 2010. Mit Spannung wird auch der Auftritt von Eric Lu am 11. August erwartet. Der 1997 geborene Pianist ist Preisträger des diesjährigen nationalen Chopin-Wettbewerbs der USA. Der 1975 in Miami gegründete Wettbewerb soll Nachwuchstalente fördern und ihnen eine Teilnahme am bedeutenden Warschauer Wettbewerb ermöglichen.

Insgesamt 32 Rezitale, Kammer- und Symphoniekonzerte erwarten die Besucher beim elften Festival „Chopin und sein Europa“ in der zweiten Augusthälfte in der polnischen Hauptstadt. Das diesjährige Motto lautet „Von Chopin bis Skrjabin“. Ausgehend von der Wirkkraft Chopins geht es auf die diesjährigen Jahrestage dreier Komponisten ein. So wird eine direkte Linie gezogen zum 175. Geburtstag Piotr Tschaikowskis, zum 150. Geburtstag von Jean Sibelius und zum 100. Todestag von Alexander Skrjabin. Gespielt werden aber auch polnische Komponisten wie Szymanowski, Wolff und Lipiński sowie „Evergreens“ der Klassik von Beethoven über Liszt bis Elgar.

Den Auftakt im Konzertsaal der Nationalphilharmonie macht am 15. August der Tschaikowski-Preisträger von 1994, Nikolai Luganski. Gemeinsam mit der Sinfonia Varsovia unter der Leitung von Alexander Vedernikow interpretiert er zwei Klavierkonzerte von Chopin. Zu den Höhepunkten des Festivals zählen die Auftritte des Russischen Nationalorchesters, des London Philharmonia Orchestra und des Freiburger Barockorchesters. Der Pianist Andreas Staier wird mit dem Freiburger Barockorchester am 26. August das Concerto Polonaise in B-Dur von Georg Philipp Telemann sowie Werke von Johann Fasch und Johann Sebastian Bach spielen. Am folgenden Abend lädt das Symphonia Orchestra unter der Leitung des Stardirigenten Vladimir Aschkenasi in die Nationalphilharmonie ein. Gemeinsam mit Chopin-Preisträger Dang Thai Son wird es das symphonische Präludium „Polonia“ von Edward Elgar, das Klavierkonzert in a-Moll von Ignacy Paderewski sowie Rachmaninoffs Zweite Symphonie interpretieren.

Das Publikum hat zudem die Möglichkeit, bedeutende Künstler wie Nelson Freire, Sergej Krylov, oder Ivo Pogorelić zu erleben. Freire spielt gemeinsam mit Aschkenasi und dem Philharmonia Orchestra Stücke von Tschaikowski, Chopin und Sibelius. Krylov interpretiert mit Unterstützung des Russischen Nationalorchesters Werke von Tschaikowski, Wieniawski und Karłowicz. Pogorelić widmet sich am 20. August romantischen Werken von Chopin, Liszt und Schumann. Den Abschlussabend bestreiten mit Ingolf Wunder, Yulianna Avdeeva und Krzysztof Jabłoński drei Chopin-Preisträger. Gemeinsam mit dem Orchester der Warschauer Nationalphilharmonie unter Leitung von Jan Kaspszyk interpretieren sie Werke von Chopin und Rachmaninoff.

Den Höhepunkt des Chopin-Jahres stellt das Finale des Internationalen Chopin-Wettbewerbes im Oktober dar. Nach den Vorausscheidungen im April 2015 sind derzeit noch 84 Pianisten aus der ganzen Welt im Rennen. Sie treten vom 3. bis 16. Oktober in drei Ausscheidungsrunden gegeneinander an. Wer es bis in die Endrunde schafft, muss während des Finales vom 18. bis 20. Oktober eines von zwei Klavierkonzerten des großen Komponisten interpretieren. Unterstützt werden die Nachwuchskünstler dabei vom Orchester der Warschauer Nationalphilharmonie.

Eröffnet wird die letzte Phase des Wettbewerbes mit feierlichen Konzerten früherer Wettbewerbssieger. Am 1. Oktober werden Martha Argerich und Nelson Goerner im Konzertsaal der Nationalphilharmonie erwartet. Gemeinsam mit dem renommierten Klangkörper unter Leitung von Jan Kaspszyk werden sie Werke von Schumann und Paderewski sowie ein eigens für diesen Anlass komponiertes Konzert von Krzysztof Penderecki spielen. Am 2. Oktober wird Garrick Ohlsson mit dem Männerchor und dem Orchester der Philharmonie unter Wojciech Rajski ein Klavierkonzert von Feruccio Busoni interpretieren.

Anlässlich des 166. Todestages Fryderyk Chopins am 17. Oktober wird es in der Warschauer Heiligkreuzkirche ein außerordentliches Oratorium geben. Ab 20.00 Uhr werden Chor und Orchester der Nationalphilharmonie unter Jacek Kaspszyk Mozarts Requiem spielen. Als Solisten kann das Publikum an diesem Abend Matthew Brook, Robert Getchell, Lenneke Ruiten und Ingeborg Danz erleben. Mit Spannung wird schließlich der Juryspruch erwartet, der am 20. Oktober fallen wird. Vom 21. bis 23. Oktober werden die drei Erstplatzierten ihre Siegerkonzerte erneut spielen.
Der Internationale Wettbewerb wurde erstmals im Jahre 1927 veranstaltet. Er findet im Abstand von jeweils fünf Jahren statt. Wer die Jury von seinen musikalischen Künsten überzeugen konnte, dem diente der Sieg oftmals als Sprungbrett für eine Karriere auf den Bühnen der Welt. Zu den früheren Gewinnern zählen neben Martha Argerich und Garrick Ohlsson auch Wladimir Aschkenasi, Krystian Zimerman oder Li Yundi. Auf den Gewinner warten in diesem Jahr 30.000 Euro Preisgeld.

Informationen:

Das Festivalticket in Duszniki-Zdrój ist für die Mehrzahl der Konzerte gültig und kostet 940 Złoty (ca. 225 Euro). Es ist ebenso wie Einzeltickets über die Homepage des Festivals erhältlich. www.festival.pl
Beim Chopin-Festival in Warschau kosten die Tickets je nach Sitzplatz und Art des Konzertes zwischen 30 und 150 Złoty (ca. 7 bis 35 Euro). Erhältlich sind sie über die Homepage des Festivals. www.en.chopin.nifc.pl
Informationen zum Chopin-Wettbewerb in Warschau unter www.chopincompetition2015.com Auskünfte über Reisen nach Polen erteilt das Polnische Fremdenverkehrsamt, www.polen.travel

Durch die Welt des Lebkuchens in Toruń

Die Stadt Toruń (Thorn) hat eine neue Attraktion. Am 20. Juni eröffnete dort das Museum des Thorner Lebkuchens im Gebäude einer ehemaligen Lebkuchenfabrik aus dem 19. Jahrhundert. Das Gebäude in der ul. Strumykowa 4 gehörte einst der Familie Weese, einem der wichtigsten Lebkuchenbäcker in Thorn. Die Umbauarbeiten dauerten drei Jahre. In dieser Zeit entstanden Ausstellungsräume mit einer Gesamtfläche von 1.200 Quadratmetern. Das Museum befindet sich auf drei Etagen. Auf die Besucher warten zahlreiche Attraktionen und Überraschungen, darunter eine Ausstellung historischer Lebkuchenbackformen und Lebkuchenöfen, ein interaktives Kochbuch mit Rezepten sowie eine multimediale Vorführung über die Herstellung der Lebkuchen in der heutigen Lebkuchenfabrik „Kopernik“. Außerdem können die Gäste ihre eigenen Lebkuchen aus Originalteig backen und dann probieren. Für die Besucher steht auch ein Café zur Verfügung, das im Stil der 1970er Jahre eingerichtet wurde.
www.muzeum.torun.pl

Warschau lädt zum 12. Singer-Festival ein

Polen entdeckt seit einigen Jahren seine jüdische Vergangenheit. Großen Anteil daran haben Kulturfestivals, wie das Festiwal Singera, das 2015 bereits zum 12. Mal stattfindet. Die polnische Hauptstadt Warszawa (Warschau), einst größte jüdische Metropole Europas, verbindet so Vergangenes mit jüdischer Gegenwart in aller Welt. Nachdenkliches und Fröhliches, Musik, Ausstellungen, Diskussionen und Performances erwarten Besucher vom 22. bis 30. August.

„Jede jüdische Straße Warschaus war eine eigenständige Stadt“, so beschrieb Literaturnobelpreisträger Isaac Bashevis Singer einmal die Erinnerung an den Ort, in dem er aufgewachsen war. Ihm, der dem jüdischen Warschau vor 1939 in seinen Büchern ein eindrucksvolles Denkmal setzte, ist das Festival gewidmet. Im Gedenken an den großen Schriftsteller soll die jüdische Vergangenheit Warschaus, die mit der Vernichtung durch die deutschen Besatzer ein jähes Ende fand, jedes Jahr für kurze Zeit wieder zum Leben erweckt werden.

Musik nimmt einen wichtigen Teil der Veranstaltungstage ein. So geben sich zur offiziellen Eröffnung, die am Abend des 23. August stattfindet, mit Alberto Mizrahi aus den USA sowie David Weinbach und Ushi Blumenberg aus Israel weltbekannte Kantoren die Ehre. Vor der wunderschönen Kulisse der Nożyk-Synagoge werden sie vom israelischen Binyamin Choir unter Leitung von Yotam Segal begleitet. Das Programm beginnt aber bereits am 22. August mit Theatervorstellungen, Performances, Diskussionen und Konzerten. Für das Abschlusskonzert am 30. August hat sich ein US-amerikanischer Star angesagt, der eine ungewohnte Mischung auf die Bühne bringt. Mit der Verbindung jüdischer Themen mit Reggae, Beatbox- und Dancehall-Elementen begeistert Matisyahu regelmäßig riesige Hallen auf der ganzen Welt. Unerwartetes bietet bereits zuvor auch das Konzert des Koscher-Gospel-Stars Joshua Nelson in der Allerheiligenkirche. Gemeinsam mit dem polnischen Sienna Gospel Choir präsentiert er dem Publikum am 27. August eine eindrucksvolle Mischung aus Gospel und jüdischer Tradition.

Auf die Verbindung „schwarzer“ und jüdischer Musik geht auch das Singer Jazz Festival ein. Insgesamt 13 Konzerte und Sessions finden zeitgleich zu den anderen Veranstaltungen statt. Gleich mehrere Konzerte davon wird der weltbekannte israelische Saxophonist und Flötist Albert Beger bestreiten. Ein besonderes Ereignis verspricht der Auftritt des berühmten Trompeters Paul Brody zu werden. Gemeinsam mit seiner Jazzband Sadawi präsentiert er das Album „Hinter allen Worten“, auf dem die deutsch-amerikanischen Musiker Texte der Lyrikerin Rose Ausländer vertont haben.

Wer wirklich tief in die jüdische Vergangenheit Warschaus eintauchen möchte, hat dazu am 29. und 30. August die Gelegenheit. Dann verwandelt sich die Gegend um die ul. Próżna und den plac Grzybowski vor dem Jiddischen Theater in eine jüdische Kleinstadt. Ladengeschäfte, Cafés, Marktstände und verschiedene Inszenierungen erwecken die Welt Singers zu neuem Leben. Auch das Redaktionsbüro, in dem der spätere Nobelpreisträger in den 1920er Jahren arbeitete, wird als Inszenierung zu sehen sein.

Weitere Informationen:

www.festiwalsingera.pl

Neues Schlesisches Museum wird eröffnet

Mit einem dreitägigen Fest vom 26. bis 28. Juni wird das neue Muzeum Śląskie (Schlesisches Museum) in Katowice (Kattowitz) eröffnet. Der spektakuläre Neubau entstand größtenteils unterirdisch auf dem Gelände einer innerstädtischen Zeche. Während am 26. Juni das breite Publikum die sechs Dauerausstellungen, unter anderem zu schlesischer Geschichte und Kunst, besichtigen kann, sind erst am Vormittag des 27. Juni die VIPs zur offiziellen Eröffnungsfeier geladen. Die ersten zwei Stunden am 28. Juni sind exklusiv den Bewohnern aus der direkten Nachbarschaft vorbehalten. Insgesamt werden etwa 10.000 Besucher an den ersten Tagen erwartet.

Weitere Informationen: 
www.muzeumslaskie.pl

Dampflokfeste und Retro-Fahrten

Freunde alter Eisenbahnen kommen vom 2. bis 3. Mai in Wolsztyn (Wollstein) im Westen Polens auf ihre Kosten. Im dortigen Dampflokmuseum findet zum 22. Mal die Dampflokparade Parada Parowozów statt. Eine weitere Dampflokparade unter dem Titel Parowozjada findet am 25. August im Freilichtmuseum von Chabówka im Süden Polens statt.

In diesem Jahr haben sich die Organisatoren vom Bahnbetreiber PKP Cargo und der Gemeinde Wolsztyn etwas Besonderes einfallen lassen. Das beliebte Festival rund um die Schönheit historischer Lokomotiven läutet zugleich den „Lato z Parowozami“ (Dampfloksommer) ein. Die Veranstaltungsreihe richtet sich in erster Linie an Familien mit Kindern. Sie will besondere Einblicke und spielerische Wissensvermittlung ermöglichen. So finden während der Sommerferien jedes Wochenende verschiedene Veranstaltungen statt. Es gibt Führungen durch alte Bahnanlagen, Workshops und Spiele rund um die Dampflok sowie verschiedene Ausstellungen. Geplant ist beispielsweise eine Schau von Bahnmodellen, die aus Lego-Klötzen angefertigt wurden.

Die Parada Parowozów in Wolsztyn hat sich in den letzten Jahren zu einem der wichtigsten Volksfeste in der Woiwodschaft Wielkopolskie (Großpolen) entwickelt. An ihr nehmen auch ausländische Dampfloks teil. Neben Sonderfahrten, technischen Vorführungen und der Wahl der Miss Dampflok wartet auf Gäste ein buntes Rahmenprogramm mit Konzerten, Spiel- und Spaßaktionen für Groß und Klein sowie verschiedenen Wettbewerben. Seit einigen Jahren organisieren auch Eisenbahnfreunde aus Deutschland Sonderfahrten von Berlin, Dresden oder Leipzig zur Parade nach Wolsztyn.

Beide Freilichtmuseen fungieren immer noch als aktive Dampflokstationen, die während der Saison Linienverbindungen mit historischen Zugmaschinen und Waggons bedienen. So verkehren ab Ende März Dampfloks von Wolsztyn in die nahe gelegenen Gemeinden Zbąszyn (Bentschen) und Leszno (Lissen), aber auch die großpolnische Metropole Poznań (Posen) sowie in die niederschlesische Hauptstadt Wrocław (Breslau). Von Ende Juni bis Ende August verkehren an Wochenenden Retro-Züge auf der Strecke von Chabówka nach Kasina Wielka.

Angeboten werden täglich zwei Fahrten von gut einstündiger Dauer. Während der Fahrt machen die Züge im nahe gelegenen Kinderkurort Rabka Zdrój Halt. Das Eisenbahnmuseum von Chabówka in der Woiwodschaft Małopolska (Kleinpolen) entstand 1993 in einem Bahnbetriebswerk aus dem 20. Jahrhundert. Von den 51 Dampf-, Diesel- und Elektroloks werden 13 noch regelmäßig für Linienverkehr oder Sonderfahrten eingesetzt. Sehenswert sind auch die 25 einsatzfähigen Passagierwaggons. In Wollstein eröffnete 1886 ein Bahnbetriebswerk, das später weiter ausgebaut wurde. Bis heute ist die eindrucksvolle Anlage in Betrieb und lädt als Technikmuseum zum Besuch ein. Der Fuhrpark umfasst über
50 Dampfloks, Waggons und Spezialfahrzeuge.

Weitere Informationen:

www.parowozowniawolsztyn.pl
www.skansenchabowka.pl

Großsegler kehren nach Szczecin zurück

Szczecin (Stettin) erwartet bis zu 50 Großsegler aus aller Welt. Vom 12. bis 15. Juni findet dort das Finale der Baltic Tall Ships Regatta statt. Das Rennen ist ein Ableger der 1956 begründeten Tall Ships Races, die vor zwei Jahren in Szczecin ihren krönenden Abschluss fanden. Eine Besonderheit der Rennen ist, dass mindestens die Hälfte der Besatzung eines Schiffes zwischen 16 und 25 Jahren alt sein muss. Die Schiffe werden sich am 8. Juni von der Kurischen Nehrung gen Westen aufmachen und den Oderhafen am 12. Juni erreichen. Bis zum 15. Juni werden die Segelschiffe an den Wały Chrobrego (Hakenterrassen) und der gegenüberliegenden Insel Łasztownia (Lastadie) festmachen. Besucher können einige der eindrucksvollen Schiffe besichtigen. Neben den Abschlussrennen wird es eine feierliche Schiffsparade sowie verschiedene Musikveranstaltungen geben.

Weitere Informationen: www.szczecin.eu

Kostenloses Netz in Warschaus Bussen

Warszawa (Warschau) will seine Vorreiterrolle beim öffentlichen Internetzugang ausbauen. Bis Jahresende sollen Einwohner und Gäste in rund 300 Bussen der städtischen Verkehrsbetriebe in den Genuss von kostenfreiem W-LAN kommen. Der Zugang soll auch in Straßen- und S-Bahnen möglich sein und im kommenden Jahr auf sämtliche Fahrzeuge des öffentlichen Personennahverkehrs ausgedehnt werden. Finanziert werden soll das Wi-Fi über Werbeeinnahmen. Das Login funktioniert über ein Browser-Interface, in das eine gültige E-Mail-Adresse eingetragen werden muss. In Warschau gibt es derzeit rund 250 öffentliche Internetzugänge, die meisten davon entlang der wichtigsten Touristen- und Berufsverkehrstrassen.

Weitere Informationen: www.warsawtour.pl