Polen

Hängepartie Euro 2012: bisher nur fünf Städte bestätigt

14. Mai 2009  |  Kategorie: News


  • 14.05.2009

Die Entscheidung über die Spielorte der Euro 2012 geht nochmals in die Verlängerung, doch auch bei einem Scheitern der ukrainischen Wackelkandidaten ist Deutschland keine Alternative.

UEFA Präsident, Michel Platini gibt in Bukarest die Entscheidung der UEFA bekannt.
Die geplante Parität unter den Co-Gastgebern Polen und Ukraine droht in jedem Fall zu scheitern: Nur vier polnische Städte Warschau, Posen, Breslau, Danzig und die ukrainische Hauptstadt Kiew erhielten in Bukarest von der UEFA-Exekutive mit dem neuen Mitglied Theo Zwanziger, DFB-Präsident, dass offizielle Gütesiegel, EM-Gastgeber 2012 zu sein. Die weiteren drei Kandidaten aus der Ukraine, Donezk, Lemberg und Charkow bekamen eine Fristverlängerung bis zum 30. November, den Tauglichkeitsnachweis zu erbringen.

„Es ist unmöglich, alle Städte in der Ukraine definitiv zu benennen. Es gibt in der Ukraine noch riesige Infrastrukturprobleme“, sagte UEFA-Präsident Michel Platini. Ausweichspielorte außerhalb der Ukraine werde es nicht geben, betonte der Franzose und schloss damit auch eine Einbindung deutscher Ersatzspielorte im EM-Konzept aus. Der geplante Endspielort Kiew müsse seine Eignung erst noch beweisen, als erste Alternative für das Finale steht Warschau bereit.

Die derzeitige Hängepartie nach der Entscheidung im Grand Hotel von Bukarest kommentierte DFB-Präsident Theo Zwanziger, der erstmals in der Exekutive der Europäischen Fußball-Union (UEFA) mitwirkte, mit Gelassenheit. „Für mich ist das keine Hängepartie. Ich sehe diese Entscheidung als faires Angebot, beiden Gastgebern zu vertrauen und nicht zu früh zum Scheitern zu verurteilen“, sagte der 63-Jährige der Deutschen Presse-Agentur. Der Neue Vorsitzende der Rechtskommission stärkte  seine Position in der UEFA.

Auch alle Hoffnungen der UEFA-Granden, Ende November auch vier Austragungsorte in der Ukraine präsentieren zu können wird immer unwahrscheinlicher, eine 4 zu 2- Lösung immer wahrscheinlicher. Neben der Hauptstadt Kiew dürfte wohl Donezk den Zuschlag bekommen, wenn dort die infrastrukturellen Probleme geklärt werden. Im Notfall könnte die (zu) knappe Hotelkapazität in der Ein- Millionen-Metropole mit dem Spielplan gelöst und alle Begegnungen der Ukraine in Donezk ausgetragen werden. „Das Paritätsprinzip scheint in der Ukraine sportpolitisch und politisch eine große Rolle zu spielen“, meinte Zwanziger, „deshalb hat das Land großes Interesse, alle vier Standorte bestätigt zu bekommen.“

Michael Platinis öffentliche Schelte, es gebe in der Ukraine bei Infrastruktur und Stadionbau weiter gewaltigen Nachbesserungsbedarf, wurde dort mit gemischten Gefühlen aufgenommen. „Das ist eine strenge, aber gerechte Entscheidung“, meinte der ukrainische Verbandspräsident Grigori Surkis, „wir haben sehr schwer unter der Finanzkrise gelitten, aber wir sind optimistisch, dass wir das hinbekommen.“ Die ukrainischen Ersatzspielorte Odessa und Dnepropetrowsk wurden von der UEFA bereits aus dem Rennen genommen. „Wenn es die Ukraine nicht schafft, werden wir die Euro 2012 4 zu 2 austragen“, offenbarte Platini.

„Wir verstehen dies im Grunde so, dass die vier Spielstätten in der Ukraine unwiderruflich feststehen“, sagte Ukraines Vize-Regierungschef Iwan Wasjunik der Agentur Interfax. Der Politiker räumte ein, dass vor allem die Arbeiten am Flughafen in Lemberg schneller vorangehen müssten. Ein Angestellter des ukrainischen Fußball-Verbandes (FFU), der namentlich nicht genannt werden will, sagte der dpa in Kiew, die Ukraine müsse sich nach der Entscheidung der UEFA „sehr anstrengen“. Das größte Problem sei die starke Politisierung der EM-Vorbereitung. Neben den regionalen Entscheidungsträgern würden immer wieder auch nationale Stellen in Sport, Wirtschaft und vor allem in der Politik das Thema für eigene Zwecke instrumentalisieren, sagte er. So werde im Moment erneut über den Haushalt für die EM 2012 gestritten.

In Polen wird trotz allem spekuliert, dass Krakau und Chorzow, die von der UEFA ebenfalls gestrichen wurden, vielleicht doch wieder nominiert werden. Polens Sportminister Miroslaw Drzewiecki erläuterte in Warschau, beide Städte würden an den Vorbereitungen teilnehmen, als ob sie weiterhin potenzielle Kandidaten wären. „Vielleicht kehren sie nach dem 30. November zum Spiel zurück“ unkte der Politiker. Noch sei alles möglich, nur ein Plan B mit deutschen Stadien nicht. „Ich kann guten Gewissens behaupten, so ein Plan ist nie diskutiert worden“, bekräftigte Theo Zwanziger erneut.

Bei einer 4 zu 2-Lösung würde erstmals bei einer EM oder WM vom Paritätsprinzip abgerückt. Bei der EM 2000 mit den Co-Gastgebern Niederlanden und den Belgien und bei der EM 2008 mit den gemeinsamen Ausrichtern Österreich und der Schweiz hatte jedes Land vier Austragungsorte stellen dürfen. Bei der Weltmeisterschaft 2002 in Japan und Südkorea waren es je zehn Städte pro Land.


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