Lemberg|Lviv: Probleme in der Ukraine Teil 1
16. Juni 2009 | Kategorie: News | 3 Kommentare
Zunäscht ein kurzer Rückblick in den Mai:
Nur fünf Städte wurden bestätigt: vier polnische Städte (Warschau, Posen, Breslau, Danzig) und die ukrainische Final-Stadt Kiew. Die drei weiteren Städte-Kandidaten der Ukraine haben bis zum 30. November 2009 Zeit, ihre Tauglichkeit unter Beweis zu stellen, 2 Städte (Odessa und Dnepropetrovsk) wurden bereits komplett gestrichen.
Lemberg: ein Erfahrungsbericht der schlechten Sorte
Nun veröffentlicht NEW EUROPE einen Erfahrungsbericht von Willy Fautré, Direktor der “Menschenrechte ohne Grenzen” in Brüssel, der die geplante EM-Stadt Lemberg im Mai besucht hat.
Lemberg, das sich gegenüber der UEFA noch beweisen muss, weist laut Fautré 3 Jahre vor dem großen internationalen Event gravierende Mängel auf.:
Ein verschlafenes relikt der Sowjet-Ära mit Mauern schmückenden Proletariats-Portraits; manuelle (!) Gepäckabfertigung und eine veraltete Passkontrolle, die dem Ansturm tausender Fußballfans nicht gewachsen sein wird. Der Sowjet-Stil des Flughafens und des Umfeldes sind nicht angemessen, die Scharen an ausländischen Anhängern des Fußballs zu empfangen.
Die Infrastruktur befindet sich in einem erschreckenden Zustand und es gibt keine Anzeichen für dynamische Bauaktivität. Dennoch ist Bürgermeister Andrii Sadovy zuversichtlich, dass Lemberg rechtzeitig für die EM präpariert sein wird; doch es ist noch ein sehr langer Weg bis 2012. In 2007 gewährte die EU eine finanzielle Unterstützung für die Entwicklung der Tourismus-Industrie in Lemberg. Investiert wurde in bilinguale Strassenschilder (Ukrainisch/Englisch), Informationspunkte und mehreren multilingualen Gedenktafeln um die Stadt herum, um es den tausenden nicht ukrainisch-sprechenden Touristen zu erlauben, in die Stadt zu strömen und mehr von ihrem Besuch zu haben. Außerhalb der Stadt ist die Beschilderung nun in 2 Sprachen, aber in Lemberg selbst ist immer noch alles auf Ukrainisch.
Es ist verwunderlich, dass in einer Stadt, deren historisches Zentrum 1998 als ein Teil des UNESCO Weltkulturerbes anerkannt wurde, keine Hinweise auf ein Touristenzentrum gibt und es sogar schwer ist, eine Karte der Stadt zu bekommen; außer in ein paar internationalen Restaurantes und Hotels.
Fautré konnte 4 Karten ergattern. Eine davon, “Lviv in Pocket”, scheint nicht einmal zustande zu bringen, ein dynamisches Bild von Lemberg zu vermitteln, wenn es über das Fußballturnier 2012 schreibt:
As one of Ukraine’s host cities, Lviv anxiously awaits the fanatical joyous surge expected to fill the city. However, due to bureaucratic hurdles planners have made only trivial progress on the necessary new stadium, road reconstruction and airport expansion. It may take a miracle to save the city’s chances to host.
“Als eine der Gastgeberstädte, erwartet Lemberg ängstlich die fanatisch freudige Welle, die die Stadt füllen wird. Dennoch, aufgrund bürkratischer Hürden, gab es nur unzureichende Entwicklungen hinsichtlich des notwendigen neuen Stadions, des Starßenbaus und der Flughafenerweiterung. Es bräuchte schon ein Wunder, die letzten Chance der Stadt auf ihre Gastgeberrolle zu halten.”
Vier Karten, doch keine zeigt das Ziel
- Vier Karten und kein einziger Hinweis auf eine Synagoge oder ein Jüdisches Gemeinschaftszentrum, obwohl ein großer Teil der Bevölkerung vor dem 2. Weltkrieg jüdisch war.
- Vier Karten und keine Chance Kirchen nach Denomination zu unterscheiden. Keine Erwähnung von Andachtsplätzen für Protestanten, Zeugen Jehovas oder Buddhisten. Es ist unmöglich zu wissen, in welche Kirche man als Tourist Römisch-Katholischen oder Orthodoxen Glaubens gehen sollte und viele weitere Verwirrungen.
- Vier Karten und keine Information, wie man ie öffentliche Verkehrsmittel nutzen kann.
- Nahezu kein Museum oder öffentlicher Platz bietet erklärende Notizen in einer anderen Sprache als Ukrainisch: alle Krichen, das Nationalmuseum, das Museum für Religionsgeschichte ud so weiter. Es wurden/werden so viele Gelegenheiten verpasst, die Kultur und die komplexe Geschichte Lembergs, der Region und der Ukraine der (ausländischen) Öffentlichkeit zu präsentieren.
In der Tat: einer sehr langer Weg bis 2012.
Naja, als op die Probleme in der Ukraine nicht auch schon vorher, sprich bei der EM-Vergabe, bekannt gewesen wären. Und nun auch noch die Wirtschaftskrise, die der Ukraine sämtliche Möglichkeiten für Investitionen raubt.
von Tomik (1 comments)Juni 29th, 2009 um 17:06
Das stimmt wohl. Die Vergabe selbst war ja bereits eine politische Entscheidung, die aus der Wahl Platinis resultierte. Schliesslich ist er mit den Stimmen Osteuropas gewählt worden…
Schönen Beiträge hierzu findet man im Focus und Spiegel. :)
von admin (2 comments)Juni 29th, 2009 um 17:28
ja mein gott, gehts um fußball oder gehts um blöde karten, strassen und touri-infos??? cool bleiben leute, dann wird halt mal etwas improvisiert. mich kotzt dieser ständige westlich-arrogante perfektionismus echt an! was zählt ist die stimmung & das spiel und das sollte gut sein :-)
von meiner einer (1 comments)tschöööö
Juni 29th, 2009 um 19:03