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Krakau - Polen hat von seinem tödlich verunglückten Präsidenten Lech Kaczynski Abschied genommen
21.04.2010 11:52 Uhr
Die Führung des Landes und einige ausländische Gäste erwiesen mit ihrer Teilnahme an einem Trauergottesdienst am Sonntag in der Krakauer Marien-Kathedrale Kaczynski und seiner Frau Maria die letzte Ehre. Anschließend wurden die beiden in rot-weiße polnische Flaggen gehüllten Särge auf einem Katafalk zur hoch über der alten Hauptstadt gelegenen Wawel-Burg gebracht, wo das Ehepaar neben Königen, Nationalhelden und Dichtern seine letzte Ruhestätte fand.
Zehntausende Menschen säumten den Weg des Katafalks durch die gewundenen Straßen Krakaus. "Lech Kaczynski, wir danken Dir", riefen die Menschen und schwenkten Fahnen der Solidaritäts-Bewegung, die in den 80er Jahren maßgeblich zum Zusammenbruch des kommunistischen Systems in Osteuropa beigetragen hatte. Kaczynski und sein Zwillingsbruder Jaroslaw waren damals Rechtsberater der Bewegung, mit deren Führer und späteren Präsidenten Lech Walesa sie sich in den 90er Jahren überwarfen.
In der Trauerpredigt spielte das historisch belastete Verhältnis Polens zu Russland eine herausragende Rolle. So würdigte Kardinal Stanislaw Dziwisz die Solidarität Russlands, dessen Präsident Dmitri Medwedew trotz der riesigen Asche-Wolke über Europa nach Krakau flog. "Die Tragödie vor acht Tagen und die darauffolgende Anteilnahme und Hilfe Russlands geben uns Hoffnung für eine bessere Beziehung zwischen diesen beiden großen Nationen", sagte Dziwisz. "Ich richte diese Worte direkt an Präsident Medwedew."
Auch Übergangspräsident Bronislaw Komorowski rief zur Versöhnung mit Russland auf. Dieses Vermächtnis Kaczynskis müsse erfüllt werden. Kaczynski hatte ein gespanntes Verhältnis zum Nachbarn im Osten und war während seiner Amtszeit kein einziges Mal nach Moskau gereist. Medwedew sagte unmittelbar vor seinem Rückflug nach Moskau, angesichts des großen Verlustes, den Polen erlitten habe, würden beide Länder nun enger zusammenrücken "und Lösungen für die meisten schwierigen Fragen einschließlich Katyns finden".
Das Ehepaar Kaczynski und 94 weitere Mitglieder der polnischen Führung waren am Samstag vergangener Woche beim Anflug auf die russische Stadt Smolensk abgestürzt. Sie wollten im nahe gelegenen Katyn der 22.000 polnischen Offiziere und Intellektuellen gedenken, die dort 1940 vom sowjetischen Geheimdienst ermordet worden waren. Die Sowjetunion hatte das Verbrechen jahrzehntelang den Deutschen in die Schuhe geschoben.
Wegen der riesigen Asche-Wolke aus Island hatten zahlreiche Staats- und Regierungschefs nicht nach Krakau kommen können. So sagten unter anderem US-Präsident Barack Obama, Bundeskanzlerin Angela Merkel, der spanische König Juan Carlos und der britische Thronfolger Prinz Charles ab. Aus Deutschland nahmen Bundespräsident Horst Köhler und Außenminister Guido Westerwelle an dem Gottesdienst teil, die mit dem Hubschrauber in die alte Königsstadt geflogen waren.
Am Samstag hatten bis zu 100.000 Menschen auf der offiziellen Trauerfeier im Zentrum Warschaus der Kaczynskis und der 94 zumeist hochrangigen polnische Politiker und Militärs gedacht, die mit dem Präsidentenpaar an Bord der Unglücksmaschine waren und ebenfalls starben.
Quelle: Reuters
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