Sie sind hier: Startseite » Nachrichten »
Polnische Bischöfe drohen Politikern mit Exkommunikation
29.10.2010 14:02 Uhr
Die bevorstehende Entscheidung über fünf Gesetzesentwürfe zum Thema In-vitro-Befruchtung sorgte in Polen für große Aufregung. Bis dato gab es in Polen als einzigem Land der Europäischen Union keinerlei gesetzliche Regelung zum Thema künstliche Befruchtung. Privatkliniken, welche Behandlungen für unfruchtbare Paare anbieten, bewegten sich bisher im rechtsfreien Raum. Über fünf Gesetzesentwürfe, vom Totalverbot der künstlichen Befruchtung bis zum Behandlungsanspruch auf Krankenschein, sollte nun im Abgeordnetenhaus, dem Sejm, abgestimmt werden. Ein Anliegen, das in Kirchenkreisen für Aufruhr sorgte.
Warschaus Erzbischof Henryk Hoser, droht mit drastischen Konsequenzen für Befürworter des In-Vitro-Verfahrens: „Katholische Abgeordnete, die sich im Parlament für das In-vitro-Gesetz aussprechen, müssen mit der Exkommunikation rechnen.“ Die Bischöfe bezeichnen diese Methode außerdem als „besonders raffinierte Form der Abtreibung“, da in deren Verlauf auch Embryonen absterben, und schreckten vor Anspielungen auf das Hitler-Regime und deren Eugenik nicht zurück.
Regierungssprecher Pawel Gras wies die bischöfliche Kritik als „Erpressung“ zurück und auch Polens Premier Donald Tusk erinnerte die Politiker an ihre Verantwortung gegenüber dem Volk. Der Einschüchterungsversuch zeigte jedoch Wirkung: Am Tag der Debatte erschienen ein Großteil der Parlamentarier nicht und die Entscheidung musste vertagt werden.
Weiterführende Anzeigen
