Die polnische Landwirtschaft

Der Anteil der Landwirtschaft am Gesamt-BIP geht zwar zurück, ist mit schätzungsweise 6,0% im Jahre 1996 gemessen an 12,9% im Jahre 1989 jedoch noch immer relativ bedeutend. Seit Beginn der Übergangsphase erlebt der Agrarsektor eine Wirtschaftsflaute, die auf eine ungünstige Entwicklung der Terms of Trade und einen Produktionsrückgang vor allem im Tiersektor zurückzuführen ist.

Die landwirtschaftliche Erwerbsbevölkerung hat nach wie vor einen Anteil von 26,7% am Gesamtarbeitskräftepotential. Dieser hohe Prozentsatz wird durch eine gewisse Unterbeschäftigung und latente Arbeitslosigkeit in ländlichen Gebieten künstlich aufrecht erhalten. Die große Diskrepanz zwischen BIP-Anteil und landwirtschaftlicher Erwerbsbevölkerung zeugt von sehr geringer Arbeitsproduktivität und reflektiert die Bedeutung landwirtschaftlicher Nebenerwerbstätigkeit. In den wichtigsten Produktionssektoren erreicht Polen noch immer einen Selbstversorgungsgrad von fast 100%.

Agrarproduktion

Das Wertverhältnis zwischen pflanzlicher und tierischer Erzeugung betrug in den vergangenen Jahren trotz bedeutender Schwankungen 55 zu 45. Bei der vermarkteten Erzeugung ist es umgekehrt, weil Pflanzenprodukte intermediär als Vorleistungen und zum heimischen Verbrauch verwendet werden.

1996 wurden 59% (bzw. 18,5 Mio. ha) der 31,3 Mio. ha Gesamtfläche des Landes landwirtschaftlich genutzt. Davon nimmt Ackerland mit 14,1 Mio. ha den größten Teil in Anspruch, gefolgt von Wiesen (2,8 Mio. ha), Dauerweiden (1,4 Mio. ha) und Obstanlagen (0,26 Mio. ha). Der Ackerflächenanteil an der landwirtschaftlich genutzten Fläche beträgt in Polen rund 76%, in der EU-15 nur 56%. Nur 3,3% der Böden sind als gut klassifiziert, die meisten sind eher Sandböden, ein Umstand der in Kombination mit geringen Niederschlägen die Agrarproduktion nachhaltig beeinflusst.

Angebaut wird in erster Linie Getreide (vor allem Weizen und Roggen), in geringerem Maße (bezogen auf die Anbaufläche) auch Kartoffeln, Futterpflanzen, Zuckerrüben, Ölsaaten und Hülsenfrüchte. Von den meisten Kulturpflanzen wird in den letzten Jahren weniger produziert als in den Jahren vor dem Übergang. Der Selbstversorgungsgrad liegt bei nahezu allen Kulturpflanzen zwischen 90 und 100%, außer bei Ölsaaten (55 bis 146%), bei denen es in den vergangenen Jahren bedeutende Flächenschwankungen gegeben hat, und bei Zucker aufgrund einer in der Regel exportfähigen Überschussproduktion. Der Obst- und Gemüseanbau nimmt 3% der landwirtschaftlich genutzten Fläche in Anspruch und liefert 10,3% der Agrarproduktion. Vor allem bei Obst und Gemüse verzeichnet Polen ein hohes Ausfuhrvolumen.

Der wirtschaftliche Übergangsprozess hat die tierische Erzeugung stärker beeinflusst als die pflanzliche Erzeugung. Vor allem staatliche Betriebe haben ihre Tierbestände abgebaut und sich auf Pflanzenerzeugung konzentriert. Die sinkenden Einkommen und der Wegfall von Verbrauchersubventionen haben bewirkt, daß der Fleischkonsum stark zurückgegangen ist.

Obgleich der Schweinefleischsektor von der Rezession mehr oder weniger verschont geblieben ist, kam es in bestimmten Jahren infolge der hohen Futtermittelpreise dennoch zu Konjunkturschwankungen. Polen ist einer der größten Schweinefleischerzeuger Europas. Der Geflügelfleischsektor, der zunächst stark betroffen war, hat sich erholt und ist heute mit Abstand der dynamischste Wirtschaftssektor. Der Rinder- und insbesondere der Ziegenbestand wurden drastisch verringert. Der Rückgang der Rindfleischproduktion hat sich in den letzten Jahren verlangsamt. Im Milchsektor zeigten sich 1997 die ersten Anzeichen einer leichten Produktionssteigerung.

Agrarhandel

Agrarerzeugnisse sind eine der Hauptgruppen unter den Handelsgütern, auf die 1997 rund 13,0% der Ausfuhren und rund 11,0% der Einfuhren entfielen. Der Agrarhandel hat seit 1992 beständig zugenommen, wobei sich die Einfuhren jedoch schneller entwickelten. Entsprechend fiel die Agrarhandelsbilanz, die 1990 mit 971 Mio. ECU einen Überschuss aufwies, im Jahre 1997 auf –418 Mio. ECU zurück. Polen exportiert in großem Umfang Lebendvieh, Fleisch und Fleischerzeugnisse, Milchprodukte, Verarbeitungserzeugnisse aus Obst und Gemüse und Süßwaren. Eingeführt werden u.a. Getreide und Ölsaaten, vor allem jedoch frisches Obst (Zitrusfrüchte), Kaffee, Kakao und Tee.

Die EU-15 ist Polens wichtigster Agrarhandelspartner. Der gemeinschaftliche Anteil des Handels mit der EU geht jedoch zusehends zurück. 1989 führten noch 60% der polnischen Exporte in die Gemeinschaft, 1997 waren es nur noch 39%. Amtlichen Statistiken zufolge hat Polen im Agrarhandel mit der EU heute eine negative Handelsbilanz. Vor allem in die ehemalige Sowjetunion als zweitgrößtem Handelspartner führt Polen in zunehmendem Maße Verarbeitungserzeugnisse aus.

Beschäftigte

In Polen arbeiten rund 27 Prozent der Beschäftigten in der Landwirtschaft. Zum Vergleich: In den Ländern der EU beträgt der Anteil lediglich fünf Prozent. Allerdings geht man davon aus, dass nur 14 Prozent der polnischen Landwirte ausschließlich von der Landwirtschaft leben.
Auf dem Lande leben 38 Prozent der Bevölkerung.

Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe

Zwei Millionen

Anteil am BIP

ca. fünf Prozent (EU: 1,7 Prozent)

Größe

Die meisten Höfe bewirtschaften eine Fläche zwischen sieben und 15 Hektar. Geld für moderne Maschinen ist kaum vorhanden. Die Folge: eine niedrige Arbeitsproduktivität.