Bildung und Universitäten in Polen

Im Jahr 1999 wurde in Polen eine weitgehende Schulreform durchgeführt, die u. a. das Schulsystem, die Lehrpläne, die Benotung und die Anforderungen betraf, die an die Schüler gestellt werden. Auch die von den Lehrern zu durchlaufenden Bildungsstufen haben sich geändert. Im einzelnen sind das: Praktikant, Vertragslehrer, berufener Lehrer und Diplomlehrer. Die höchste Stufe, Professor, steht nur den besten Lehrern zu.

Das polnische Bildungswesen besteht aus folgenden Schulformen: der Grundschule, dem Gymnasium, der weiterführenden Schule, die nach der Gymnasialstufe besucht wird (Lyzeum, Technische sowie Berufsschule) sowie der Hochschule. Die Schulbildung ist in öffentlichen Schulen kostenlos und bis zum 18. Lebensjahr obligatorisch.

Nach der Schulreform beginnt die Schulpflicht bereits im 6. Lebensjahr in der Null-Klasse, wo Grundfähigkeiten Schreiben, Lesen und Rechnen erworben sowie einfache Begriffe vermittelt werden. Darauf baut die Grundschule auf, die sechs Jahre dauert und mit einer Prüfung des Wissens und der Fähigkeiten der Kinder endet. Sie dient lediglich zur Information. An die Grundschule schließt sich das dreijährige Gymnasium an. Welches Gymnasium ein Kind besucht, hängt von seinem Wohnort ab.

Zum Abschluss des Gymnasiums werden die Schüler jeweils im humanistischen und im mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich geprüft. Von den Prüfungsnoten hängt die Auswahl der nächsten Schule ab. Es bieten sich folgende Möglichkeiten an:

– ein drei Jahre dauerndes allgemeinbildendes Lyzeum
– eine vier Jahre dauernde technische Berufsschule
– eine zwei oder drei Jahre dauernde allgemeine Berufsschule

Zum Abschluss der Berufsschule wird eine Prüfung abgelegt, die ab 2004 von einem externen, unabhängigen Ausschuss abgenommen wird.

Nach dem Lyzeum und der technischen Berufsschule wird das Abitur abgelegt, das zur Zeit in derjenigen Schule abgenommen wird, die der Schüler jeweils besucht hat, und von seinen Lehrern korrigiert wird.

Manche Schulen haben bereits externe Prüfungen eingeführt. Die Abiturarbeiten werden kodiert und von speziell berufenen externen Ausschüssen korrigiert. Die Ergebnisse sind landesweit vergleichbar, was den Abiturienten ermöglicht, an einer Hochschule ohne Aufnahmeprüfung zu studieren. Da der Umfang des  „neuen Abiturs“ relativ begrenzt ist, werden die Ergebnisse nicht von allen Hochschulen anerkannt. Nach 2005 wird die Prüfungsordnung für das Abitur vereinheitlicht.

Die neue Abiturprüfung soll künftig aus zwei Prüfungen bestehen: einer internen (mündlichen, die in der Schule abzulegen ist) und einer externen (schriftlichen, die von einem gesonderten externen Ausschuss korrigiert wird).

Die interne Prüfung setzt sich zusammen aus den Pflichtfächern:

– Polnisch (eine Stufe)
– Muttersprache nationaler Minderheiten (eine Stufe)
– Neuzeitliche Fremdsprache (Grundstufe oder Leistungsstufe) sowie dem Wahlfach
– weitere Fremdsprache (Leistungsstufe).

Die externe Prüfung besteht aus folgenden Pflichtfächern:

  • Polnisch (Grundstufe oder Leistungsstufe)
  • Muttersprache nationaler Minderheiten (Grundstufe oder Leistungsstufe)
  • neuzeitliche Fremdsprache (Grundstufe oder Leistungsstufe)
  • Mathematik (Grundstufe oder Leistungsstufe) sowie
  • (mindestens) einem Wahlfach aus
  • Philosophie
  • Geschichte
  • Musikgeschichte
  • Kunstgeschichte
  • Gesellschaftskunde
  • Tanz
  • einer zweiten Fremdsprache
  • Altsprachen
  • Biologie
  • Chemie
  • Physik und Astronomie
  • Geographie
  • Informatik (Computer) und

Nach der Reifeprüfung kann ein Hochschulstudium aufgenommen werden. Je nach Art der Hochschule, der Studienrichtung und der Studiendauer, bekommen die Hochschulabsolventen eine „Lizenz“ (nach einem dreijährigen Studium) bzw. den Magistertitel (nach einem fünf- bis sechsjährigen Studium).

Nach dem Hochschulabschluss und dem Ablegen einer Magisterprüfung steht den Absolventen der Weg offen, zu promovieren oder ein Aufbaustudium zu beginnen.

In Polen gewinnen nichtstaatliche Schulen und private Schulen immer mehr an Popularität – angefangen von den Grundschulen bis hin zu den Hochschulen. Für die Ausbildung an nichtöffentlichen Schulen werden Gebühren erhoben („Schulgeld“). Vorteilhaft bei solchen Schulen sind die kleineren Klassen, was dem Lehrer u. a. eine bessere Kontrolle über den Fortschritt seiner Schüler sowie die Durchführung eines fortgeschritteneren Lehrplans ermöglicht.

Je nach Budget der staatlichen Schulen verfügen die Schüler über unterschiedliche Möglichkeiten des Zugangs zu modernen Lernmitteln. In großen Ballungsgebieten stellt sich die Situation besser dar, in kleinen Gemeinden dagegen haben es die Schüler schwerer. Es bleibt aber unumstritten, dass nichtöffentliche Schulen mit Lernmitteln am besten ausgerüstet sind, weshalb man dort gute Ausbildungsmöglichkeiten hat.

Hier finden Sie Links zu den bekanntesten Universitäten Polens: